Design

"Judging books by their cover" oder auch eine Hommage an gutes Buchdesign

04.02.26

/

8 min.

von

Lena Steinke

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Ok, ich bekenne mich schuldig!

Ich bin Designerin, natürlich bewerte ich Buchcover. Und natürlich kaufe ich Bücher nicht nur nach Inhalt, sondern lasse mich auch von tollen, bunten, typografischen, gemalten, veredelten oder kurz gesagt einfach schönen Buchcovern um den Finger wickeln. Und schwups landen sie im Bücherregal.

Bisher bin ich damit erstaunlich gut gefahren und mein Geschmack traf auch ziemlich häufig auf eine richtig gute Story. Ebenso habe ich (fast) alle diese Bücher gelesen und verfalle auch nicht in Book Hauls, aber wenn man ehrlich ist, ist das eigentlich der falsche Weg und man sollte zuerst auf den Inhalt achten und dann bewerten, ob es einem gefallen könnte. Der erste Blick fällt aber nun mal auf die Gestaltung, was ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass gutes Design einfach extrem wichtig ist, wenn man etwas verkaufen möchte. Aber zurück zu den Büchern…

Ich lese fast ausschließlich auf Englisch, jedenfalls alle 47 Bücher, die ich in den letzten 24 Monaten gelesen habe. Hauptsächlich aus dem Genre Literary Fiction und fast alle stammen aus denselben Verlagshäusern. Ein Großteil aus dem Hause Faber. Und ich liebe die Covergestaltung von Faber!


Max Porter ist mein Lieblingsautor und ich liebe die Gestaltung der Bücher! Von Lanny gibt es ein alternatives Cover, das ich noch etwas lieber mag, aber leider nicht besitze.

Das Buchdesign von Faber

Faber Editions

Erst kürzlich wurde ich auf das Coverdesign-System für die Faber Editions Reihe aufmerksam. Die Reihe widmet sich Werken aus dem Verlagsarchiv, mit dem Fokus auf eher übersehene Bücher, die aber immer noch relevant sind. Werke, die nicht nur originell und es wert sind, wiederentdeckt zu werden, sondern auch eine moderne Zielgruppe ansprechen könnten. Und dafür braucht man gute Gestaltung, da die Zielgruppe vermutlich genauso kauft wie ich. Nach Cover.


Das neuere Designsystem wurde mit Blick auf die Faber Paper Covered Editions entwickelt. Diese Reihe aus den 1950er Jahren sollte einen günstigeren Zugang zu Büchern bieten. Das visuelle Erscheinungsbild war damals durch zwei zentrale Elemente geprägt: einen Branding-Streifen entlang der Seite und einen sehr typografischen Ansatz. Diese Elemente wurden mit einem modernisierten Twist neuinterpretiert.

Anstatt ein zusätzliches Siegel auf das Cover zu setzen, sie komplett langweilig zu gestalten wie ein Reclam Buch oder diese alten Werke weiterhin alt aussehen zu lassen, wurde für die Kennzeichnung der Reihe eine rein typografische Lösung entwickelt, die aber noch genug Freiheit bietet für eine ansprechende Covergestaltung. Ein schmaler Streifen an der Seite wird seitdem immer gleich platziert. Die Schrift Albertus, die vom damaligen Art Director Berthold Wolpe noch vor seiner Zeit bei Faber entwickelt und sehr oft auf klassischen Covern des Verlags eingesetzt wurde, erhielt ein Revival. Sein Erbe wurde also in das neuere Coverdesign-System integriert und lebt als Teil des Layouts weiter.



In der Historie der Faber Buchcover zu Zeiten von Berthold Wolpe lag der Fokus immer auf typografischer Gestaltung, bei der Titel und Autor*in gut lesbar und präsent abgebildet wurden. Illustrationen durften ergänzt, aber das Geschriebene nie übertrumpft werden. An diesen Vorgaben hielt man für die Neuinterpretation fest.

Auch die Farbpalette wurde streng definiert und limitiert, damit die Reihe aus einem Guss erscheint. So dürfen nur weiß, schwarz und zwei weitere Farben verwendet werden, die man aus einer sorgfältig kuratierten Farbpalette auswählt. Und das funktioniert erstaunlich gut!

Das System hat also einen ganz klar definierten Rahmen, der dennoch genug Flexibilität für eine interessante und gute Buchgestaltung bietet. Dabei ist es sehr durchdacht, einfach und eine schöne Hommage an ganz klassisches Design. Ich liebe auch die subtile Blindprägung in der Schrift.


Faber Stories


Ein ähnliches System wird für die Faber Stories verwendet. Diese widmen sich Kurzgeschichten unterschiedlicher Autor*innen aus 90 Jahren Literaturgeschichte. Diese breite Range an Geschichten und Jahrzehnten war natürlich eine Herausforderung und jedes Buch sollte sowohl in die Reihe passen, als auch eine individuelle Gestaltung bekommen.

Das Format: Kurze Geschichten auf kleinem 111x160 mm Maß.

Die Farben: Eine klein gehaltene Farbpalette, die sich sowohl an mid-century Designs, als auch an moderne Ästhetik anlehnt, fällt auf und schnürt die Reihe zusammen.

Das Layout: Es wurde mit einem einfachen Raster gearbeitet. Wichtige Informationen wie Autor*in und Titel, Faber Stories Reihentitel und Logo wurden in den Ecken platziert. Die jeweilige Illustration hat somit viel Spielraum in der Mitte. Das Raster zieht sich auf dem Umschlag durch. Auf der Rückseite wurde das Faber 90 Logo platziert und in der hinteren Klappe wurde ein Stilelement von Berthold Wolpe aufgegriffen, das angeschrägte Band.



Die Schrift: Hier kommt schon wieder Berthold Wolpe ins Spiel. Beide Schriften, die Albertus Nova und Wolpe Pegasus wurden von ihm entwickelt und von Toshi Omagari für Monotype aufgearbeitet.

Ich habe sechs Bücher aus dieser Reihe und mag die Gestaltung unglaublich gerne. Zeitloses gutes Buchdesign braucht also gar nicht so viel und darf sich sehr gerne an Elementen aus der Historie orientieren.


Warum ich die Gestaltung von Faber so mag

Ich bin kein großer Fan von überladenen Covern, von zu vielen Veredelungen, Gold- oder Farbschnitten, kitschigen Fotografien und wilden verschnörkelten Mustern. Stattdessen greife ich eher zu den reduzierteren oder ungewöhnlich typografischen Büchern. Oft zu denen mit den schönen Schriften. Ups, schuldig.

Ich bin ein Schriftennerd, liebe die natürliche Haptik von ungestrichenen Papierumschlägen und feiere ungesehene, kräftige Farbpaletten und durchdachte Illustrationen. Die meisten Cover von Faber fallen auf, wirken künstlerisch und trotzdem eher natürlich und reduziert. Das zieht mein Design-Ich magisch an.


Pete Adlington, Senior Designer bei Faber gestaltete das Buchcover von Klara and the Sun. Anschließend wurden alle Kazuo Ishiguro Titel neu gestaltet, sodass alle ein grafisches “Fenster” nutzen.

Auch finde ich es schön, dass Autor*innen anhand der Gestaltung zu erkennen sind. Nicht nur wirkliche Buchreihen, sondern auch losgelöste Buchtitel aus der gleichen Hand. Obwohl zum Beispiel die Buchcover von Max Porter alle unterschiedlich gestaltet sind und es Faber auch wichtig ist, dass jede Geschichte ein individuelles Cover bekommt, wirken sie zusammenhängend. Genau das gleiche bei den Büchern von Kazuo Ishiguro oder Rachel Cusk. Autor*innen bekommen quasi ein eigenes Brand Design und damit eine Wiedererkennbarkeit anhand der Cover, jedes Buch aber anhand von Farben, Illustrationen und Schriftgestaltung etwas eigenes. Diese Einheitlichkeit nennt man Author Branding und Faber ist nicht der einzige Verlag, der das macht. Dennoch finde ich es von Faber besonders gut umgesetzt.

Buchdesign in Zeiten von BookTok

Das blaue Cover von Sally Rooneys Intermezzo fällt auf und illustriert die Geschichte unglaublich gut. Die Gestaltung stammt von Kishan Rajani.

In der heutigen Zeit treffen wir Entscheidungen schneller als je zuvor. Laut einer Statistik der Harvard Business School¹ fallen 95% unserer Kaufentscheidungen unbewusst und eine Google-Studie aus dem Jahr 2012² zeigt, dass Nutzer*innen sich bereits nach etwa 50 Millisekunden eine erste visuelle Einschätzung bilden, ob ihnen ein Design gefällt oder nicht. Die Recherche bezog sich zwar auf Webdesign, lässt sich aber gut auf andere visuelle Reize übertragen, zum Beispiel auf Buchcover, die wir online, im Feed oder im Vorbeigehen im Handel wahrnehmen.

Das bedeutet, dass unser Gehirn visuelle Informationen viel schneller als Text verarbeitet. Das merkt man sehr gut, wenn man sich durch den täglichen Wahnsinn bei Instagram oder TikTok scrollt. Wir sind von so vielen Eindrücken umgeben, dass man oft bei dem hängen bleibt, was ungewöhnlich, überraschend oder anders ist. Unter diesem Aspekt kann man sagen, dass gutes Buchdesign in der heutigen Zeit nochmals wichtiger geworden ist und heute entscheidend dafür sein kann, in der Masse überhaupt wahrgenommen zu werden.

Englische vs. deutsche Buchgestaltung

Wenn ich hier mal in einen Thalia gehe, dann wird mir immer sofort klar, weshalb ich englische Titel präferiere. Sobald ich mich durch den Bereich mit den Neuerscheinungen gedrängelt habe, vorbei an dunklen Covern mit einsamen, nebelverhangenen Waldwegen und blutroter Titelveredelung, Spiegel-Bestseller Stickern und lieblich gestalteten Sommerromanen mit zarten Frauensilhouetten, Blüten und Script-Schriften, atme ich kurz durch und stöbere im kleinen Regal mit den englischsprachigen Büchern.

Kaum ist man in dieser Abteilung gelandet, findet man deutlich mehr illustrierte Titel, die mutigere Farben und Schriften nutzen. Es wirkt fast, als würde man in der englischen Sprache den Leser*innen mehr Fantasie zumuten, während deutsche Cover funktionieren sollen. Vielleicht ist das einer deutschen Denkweise zuzuschreiben und im Sinne der deutschen Effizienz sogar ziemlich gut, schließlich erkennt man direkt, worum es geht und welches Genre bedient wird. Überträgt man diese Gedanken auf die Ergebnisse der Google Recherche, ist es vielleicht sogar genau richtig so, weil Leser*innen genau das bekommen, was sie erwarten. Aber ist das nicht auch langweilig und dürfen Bücher nicht auch mal überraschen?

Denn genau das macht für mich gute Buchgestaltung oder auch Gestaltung im Allgemeinen aus: Sie überrascht, weckt Neugier und verfällt nicht direkt in ein Klischee oder wirkt zu generisch. Genau dieses Gefühl der Neugier vermitteln mir die Titel von Faber fast durchgehend. Sie zeigen, wie zeitloses Design klassische Elemente aufnehmen und gleichzeitig modern wirken kann.



Dieser Artikel ist daher als kleine, nerdige Hommage an gutes Buchdesign zu betrachten. Natürlich gibt es viele andere schöne Cover von anderen Verlagen. Und letzten Endes bleibt es immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Wer mehr über das Buchdesign von Faber erfahren möchte, kann gerne mal auf dem verlagseigenen Blog vorbeischauen. Hier findet man auch Blogartikel zu den Designhintergründen der beschriebenen Reihen. Ich folge sogar dem Design Department von Faber auf Instagram. Allein der Fakt, dass es einen eigenen Account der Designer*innen gibt, finde ich sehr wertschätzend und sehe ich als Beweis dafür, dass diesem Verlag Design wirklich am Herzen liegt.


Lena

Linkliste zu gutem Buchdesign:

The Academy of British Cover Design
AIGA Eye on Design – Books
50 Books | 50 Covers von AIGA

Mehr von Faber:

Faber Journal / Der verlagsinterne Blog
Blogartikel über das Design der Faber Stories Reihe
designbyfaber / Der Instagram Account des Design Department

Quellen:

1 Quelle: The Subconscious Mind of the Consumer (And How To Reach It), Harvard Business School: Gerald Zaltman (2003) (https://www.library.hbs.edu/working-knowledge/the-subconscious-mind-of-the-consumer-and-how-to-reach-it)

2 Quelle: Google Research, 2012 (https://research.google/blog/users-love-simple-and-familiar-designs-why-websites-need-to-make-a-great-first-impression/)

Ok, ich bekenne mich schuldig!

Ich bin Designerin, natürlich bewerte ich Buchcover. Und natürlich kaufe ich Bücher nicht nur nach Inhalt, sondern lasse mich auch von tollen, bunten, typografischen, gemalten, veredelten oder kurz gesagt einfach schönen Buchcovern um den Finger wickeln. Und schwups landen sie im Bücherregal.

Bisher bin ich damit erstaunlich gut gefahren und mein Geschmack traf auch ziemlich häufig auf eine richtig gute Story. Ebenso habe ich (fast) alle diese Bücher gelesen und verfalle auch nicht in Book Hauls, aber wenn man ehrlich ist, ist das eigentlich der falsche Weg und man sollte zuerst auf den Inhalt achten und dann bewerten, ob es einem gefallen könnte. Der erste Blick fällt aber nun mal auf die Gestaltung, was ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass gutes Design einfach extrem wichtig ist, wenn man etwas verkaufen möchte. Aber zurück zu den Büchern…

Ich lese fast ausschließlich auf Englisch, jedenfalls alle 47 Bücher, die ich in den letzten 24 Monaten gelesen habe. Hauptsächlich aus dem Genre Literary Fiction und fast alle stammen aus denselben Verlagshäusern. Ein Großteil aus dem Hause Faber. Und ich liebe die Covergestaltung von Faber!


Max Porter ist mein Lieblingsautor und ich liebe die Gestaltung der Bücher! Von Lanny gibt es ein alternatives Cover, das ich noch etwas lieber mag, aber leider nicht besitze.

Das Buchdesign von Faber

Faber Editions

Erst kürzlich wurde ich auf das Coverdesign-System für die Faber Editions Reihe aufmerksam. Die Reihe widmet sich Werken aus dem Verlagsarchiv, mit dem Fokus auf eher übersehene Bücher, die aber immer noch relevant sind. Werke, die nicht nur originell und es wert sind, wiederentdeckt zu werden, sondern auch eine moderne Zielgruppe ansprechen könnten. Und dafür braucht man gute Gestaltung, da die Zielgruppe vermutlich genauso kauft wie ich. Nach Cover.


Das neuere Designsystem wurde mit Blick auf die Faber Paper Covered Editions entwickelt. Diese Reihe aus den 1950er Jahren sollte einen günstigeren Zugang zu Büchern bieten. Das visuelle Erscheinungsbild war damals durch zwei zentrale Elemente geprägt: einen Branding-Streifen entlang der Seite und einen sehr typografischen Ansatz. Diese Elemente wurden mit einem modernisierten Twist neuinterpretiert.

Anstatt ein zusätzliches Siegel auf das Cover zu setzen, sie komplett langweilig zu gestalten wie ein Reclam Buch oder diese alten Werke weiterhin alt aussehen zu lassen, wurde für die Kennzeichnung der Reihe eine rein typografische Lösung entwickelt, die aber noch genug Freiheit bietet für eine ansprechende Covergestaltung. Ein schmaler Streifen an der Seite wird seitdem immer gleich platziert. Die Schrift Albertus, die vom damaligen Art Director Berthold Wolpe noch vor seiner Zeit bei Faber entwickelt und sehr oft auf klassischen Covern des Verlags eingesetzt wurde, erhielt ein Revival. Sein Erbe wurde also in das neuere Coverdesign-System integriert und lebt als Teil des Layouts weiter.



In der Historie der Faber Buchcover zu Zeiten von Berthold Wolpe lag der Fokus immer auf typografischer Gestaltung, bei der Titel und Autor*in gut lesbar und präsent abgebildet wurden. Illustrationen durften ergänzt, aber das Geschriebene nie übertrumpft werden. An diesen Vorgaben hielt man für die Neuinterpretation fest.

Auch die Farbpalette wurde streng definiert und limitiert, damit die Reihe aus einem Guss erscheint. So dürfen nur weiß, schwarz und zwei weitere Farben verwendet werden, die man aus einer sorgfältig kuratierten Farbpalette auswählt. Und das funktioniert erstaunlich gut!

Das System hat also einen ganz klar definierten Rahmen, der dennoch genug Flexibilität für eine interessante und gute Buchgestaltung bietet. Dabei ist es sehr durchdacht, einfach und eine schöne Hommage an ganz klassisches Design. Ich liebe auch die subtile Blindprägung in der Schrift.


Faber Stories


Ein ähnliches System wird für die Faber Stories verwendet. Diese widmen sich Kurzgeschichten unterschiedlicher Autor*innen aus 90 Jahren Literaturgeschichte. Diese breite Range an Geschichten und Jahrzehnten war natürlich eine Herausforderung und jedes Buch sollte sowohl in die Reihe passen, als auch eine individuelle Gestaltung bekommen.

Das Format: Kurze Geschichten auf kleinem 111x160 mm Maß.

Die Farben: Eine klein gehaltene Farbpalette, die sich sowohl an mid-century Designs, als auch an moderne Ästhetik anlehnt, fällt auf und schnürt die Reihe zusammen.

Das Layout: Es wurde mit einem einfachen Raster gearbeitet. Wichtige Informationen wie Autor*in und Titel, Faber Stories Reihentitel und Logo wurden in den Ecken platziert. Die jeweilige Illustration hat somit viel Spielraum in der Mitte. Das Raster zieht sich auf dem Umschlag durch. Auf der Rückseite wurde das Faber 90 Logo platziert und in der hinteren Klappe wurde ein Stilelement von Berthold Wolpe aufgegriffen, das angeschrägte Band.



Die Schrift: Hier kommt schon wieder Berthold Wolpe ins Spiel. Beide Schriften, die Albertus Nova und Wolpe Pegasus wurden von ihm entwickelt und von Toshi Omagari für Monotype aufgearbeitet.

Ich habe sechs Bücher aus dieser Reihe und mag die Gestaltung unglaublich gerne. Zeitloses gutes Buchdesign braucht also gar nicht so viel und darf sich sehr gerne an Elementen aus der Historie orientieren.


Warum ich die Gestaltung von Faber so mag

Ich bin kein großer Fan von überladenen Covern, von zu vielen Veredelungen, Gold- oder Farbschnitten, kitschigen Fotografien und wilden verschnörkelten Mustern. Stattdessen greife ich eher zu den reduzierteren oder ungewöhnlich typografischen Büchern. Oft zu denen mit den schönen Schriften. Ups, schuldig.

Ich bin ein Schriftennerd, liebe die natürliche Haptik von ungestrichenen Papierumschlägen und feiere ungesehene, kräftige Farbpaletten und durchdachte Illustrationen. Die meisten Cover von Faber fallen auf, wirken künstlerisch und trotzdem eher natürlich und reduziert. Das zieht mein Design-Ich magisch an.


Pete Adlington, Senior Designer bei Faber gestaltete das Buchcover von Klara and the Sun. Anschließend wurden alle Kazuo Ishiguro Titel neu gestaltet, sodass alle ein grafisches “Fenster” nutzen.

Auch finde ich es schön, dass Autor*innen anhand der Gestaltung zu erkennen sind. Nicht nur wirkliche Buchreihen, sondern auch losgelöste Buchtitel aus der gleichen Hand. Obwohl zum Beispiel die Buchcover von Max Porter alle unterschiedlich gestaltet sind und es Faber auch wichtig ist, dass jede Geschichte ein individuelles Cover bekommt, wirken sie zusammenhängend. Genau das gleiche bei den Büchern von Kazuo Ishiguro oder Rachel Cusk. Autor*innen bekommen quasi ein eigenes Brand Design und damit eine Wiedererkennbarkeit anhand der Cover, jedes Buch aber anhand von Farben, Illustrationen und Schriftgestaltung etwas eigenes. Diese Einheitlichkeit nennt man Author Branding und Faber ist nicht der einzige Verlag, der das macht. Dennoch finde ich es von Faber besonders gut umgesetzt.

Buchdesign in Zeiten von BookTok

Das blaue Cover von Sally Rooneys Intermezzo fällt auf und illustriert die Geschichte unglaublich gut. Die Gestaltung stammt von Kishan Rajani.

In der heutigen Zeit treffen wir Entscheidungen schneller als je zuvor. Laut einer Statistik der Harvard Business School¹ fallen 95% unserer Kaufentscheidungen unbewusst und eine Google-Studie aus dem Jahr 2012² zeigt, dass Nutzer*innen sich bereits nach etwa 50 Millisekunden eine erste visuelle Einschätzung bilden, ob ihnen ein Design gefällt oder nicht. Die Recherche bezog sich zwar auf Webdesign, lässt sich aber gut auf andere visuelle Reize übertragen, zum Beispiel auf Buchcover, die wir online, im Feed oder im Vorbeigehen im Handel wahrnehmen.

Das bedeutet, dass unser Gehirn visuelle Informationen viel schneller als Text verarbeitet. Das merkt man sehr gut, wenn man sich durch den täglichen Wahnsinn bei Instagram oder TikTok scrollt. Wir sind von so vielen Eindrücken umgeben, dass man oft bei dem hängen bleibt, was ungewöhnlich, überraschend oder anders ist. Unter diesem Aspekt kann man sagen, dass gutes Buchdesign in der heutigen Zeit nochmals wichtiger geworden ist und heute entscheidend dafür sein kann, in der Masse überhaupt wahrgenommen zu werden.

Englische vs. deutsche Buchgestaltung

Wenn ich hier mal in einen Thalia gehe, dann wird mir immer sofort klar, weshalb ich englische Titel präferiere. Sobald ich mich durch den Bereich mit den Neuerscheinungen gedrängelt habe, vorbei an dunklen Covern mit einsamen, nebelverhangenen Waldwegen und blutroter Titelveredelung, Spiegel-Bestseller Stickern und lieblich gestalteten Sommerromanen mit zarten Frauensilhouetten, Blüten und Script-Schriften, atme ich kurz durch und stöbere im kleinen Regal mit den englischsprachigen Büchern.

Kaum ist man in dieser Abteilung gelandet, findet man deutlich mehr illustrierte Titel, die mutigere Farben und Schriften nutzen. Es wirkt fast, als würde man in der englischen Sprache den Leser*innen mehr Fantasie zumuten, während deutsche Cover funktionieren sollen. Vielleicht ist das einer deutschen Denkweise zuzuschreiben und im Sinne der deutschen Effizienz sogar ziemlich gut, schließlich erkennt man direkt, worum es geht und welches Genre bedient wird. Überträgt man diese Gedanken auf die Ergebnisse der Google Recherche, ist es vielleicht sogar genau richtig so, weil Leser*innen genau das bekommen, was sie erwarten. Aber ist das nicht auch langweilig und dürfen Bücher nicht auch mal überraschen?

Denn genau das macht für mich gute Buchgestaltung oder auch Gestaltung im Allgemeinen aus: Sie überrascht, weckt Neugier und verfällt nicht direkt in ein Klischee oder wirkt zu generisch. Genau dieses Gefühl der Neugier vermitteln mir die Titel von Faber fast durchgehend. Sie zeigen, wie zeitloses Design klassische Elemente aufnehmen und gleichzeitig modern wirken kann.



Dieser Artikel ist daher als kleine, nerdige Hommage an gutes Buchdesign zu betrachten. Natürlich gibt es viele andere schöne Cover von anderen Verlagen. Und letzten Endes bleibt es immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Wer mehr über das Buchdesign von Faber erfahren möchte, kann gerne mal auf dem verlagseigenen Blog vorbeischauen. Hier findet man auch Blogartikel zu den Designhintergründen der beschriebenen Reihen. Ich folge sogar dem Design Department von Faber auf Instagram. Allein der Fakt, dass es einen eigenen Account der Designer*innen gibt, finde ich sehr wertschätzend und sehe ich als Beweis dafür, dass diesem Verlag Design wirklich am Herzen liegt.


Lena

Linkliste zu gutem Buchdesign:

The Academy of British Cover Design
AIGA Eye on Design – Books
50 Books | 50 Covers von AIGA

Mehr von Faber:

Faber Journal / Der verlagsinterne Blog
Blogartikel über das Design der Faber Stories Reihe
designbyfaber / Der Instagram Account des Design Department

Quellen:

1 Quelle: The Subconscious Mind of the Consumer (And How To Reach It), Harvard Business School: Gerald Zaltman (2003) (https://www.library.hbs.edu/working-knowledge/the-subconscious-mind-of-the-consumer-and-how-to-reach-it)

2 Quelle: Google Research, 2012 (https://research.google/blog/users-love-simple-and-familiar-designs-why-websites-need-to-make-a-great-first-impression/)

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Gedanken

Will ich zu viel? Ich habe nie nur einen Traum. Ich habe viele…

Ich möchte ein Outdoor Girly sein, verbringe aber ehrlicherweise viel Zeit hinter Screens und meine Salomon Schuhe sehen mehr betonierte Straßen als Trails. Ich möchte eine Lifestyle Fotografin sein, habe aber Angst, dadurch die Leidenschaft zur Fotografie zu verlieren. Ich möchte ein erfolgreiches Design Studio aufbauen, aber trotzdem noch genug Zeit für andere Hobbies haben. Ich möchte reisen und im Van leben, aber dennoch einen Ort zum Zurückkehren haben. Ich möchte eine Katze, bin aber viel zu unentschlossen, um so eine große Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Ich möchte YouTube Videos veröffentlichen, habe aber Angst vor der Kommentarspalte oder den Meinungen anderer. Ich möchte einfach nur kreieren, lebe aber leider in einer kapitalistischen Welt, in der selbst Kunst wirtschaftlich sein muss.

Gedanken

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Ich möchte ein Outdoor Girly sein, verbringe aber ehrlicherweise viel Zeit hinter Screens und meine Salomon Schuhe sehen mehr betonierte Straßen als Trails. Ich möchte eine Lifestyle Fotografin sein, habe aber Angst, dadurch die Leidenschaft zur Fotografie zu verlieren. Ich möchte ein erfolgreiches Design Studio aufbauen, aber trotzdem noch genug Zeit für andere Hobbies haben. Ich möchte reisen und im Van leben, aber dennoch einen Ort zum Zurückkehren haben. Ich möchte eine Katze, bin aber viel zu unentschlossen, um so eine große Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Ich möchte YouTube Videos veröffentlichen, habe aber Angst vor der Kommentarspalte oder den Meinungen anderer. Ich möchte einfach nur kreieren, lebe aber leider in einer kapitalistischen Welt, in der selbst Kunst wirtschaftlich sein muss.